Friedrichshain-Kreuzberg im Jahr 2045: Ein grüner, sozial gerechter und lebenswerter Bezirk mit blühenden Oasen statt Beton, sicheren Fahrradstraßen und frischer Luft statt Abgasen. Der öffentliche Raum gehört den Menschen, Dächer und Fassaden sind begrünt, der Landwehrkanal wird von einer grünen Fuß- und Radpromenade gesäumt. Energie stammt aus Photovoltaikanlagen, die Wohnungen sind klimafreundlich, energieeffizient und bezahlbar. Diese Vision ist kein Wunschtraum, sondern unser Ziel. Friedrichshain-Kreuzberg war immer ein Ort des Aufbruchs, die Menschen gestalten ihre Nachbarschaft aktiv. Wer, wenn nicht wir, kann diese Vision Wirklichkeit werden lassen? Aktuell werden im Bezirk jährlich 1.124.538 Tonnen Treibhausgase ausgestoßen – 43 % durch die Wirtschaft, 42 % durch private Haushalte, 14 % durch Verkehr und 1 % durch öffentliche Gebäude. Als kleinster und am dichtesten besiedelter Bezirk Berlins ist Xhain besonders stark von den Folgen der Klimakrise betroffen: Während hier durchschnittlich 106 Menschen auf der Fläche eines Fußballfeldes leben, sind es im Nachbarbezirk Treptow-Köpenick nur 11. Die Temperaturen steigen im Sommer deutlich stärker als im Umland, an heißen Tagen bis zu 11 Grad mehr. Deshalb müssen wir entschlossen handeln, um die Lebensqualität unter den veränderten Bedingungen für uns und kommende Generationen zu erhalten. Das erfordert gemeinsames Handeln von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Der Bezirk hat in den vergangenen Jahren bereits viel angestoßen: Pop-up-Radwege wurden verstetigt, Flächen entsiegelt und gemeinsam mit Anwohner*innen Verkehrsberuhigungskonzepte entwickelt. Die Klimakrise betrifft alle – besonders aber vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder Vorerkrankungen und Kinder. Klimaschutz ist deshalb auch eine soziale Frage. Wer in schlecht isolierten Wohnungen lebt, sich keine Klimaanlage leisten kann oder an einer Hauptverkehrsstraße wohnt, ist besonders betroffen. Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit gehören untrennbar zusammen.

Der Bezirk hat sich bereits auf den Weg gemacht

Friedrichshain-Kreuzberg zeigt, dass Klimaschutz machbar ist: Als erster Berliner Bezirk haben wir zusammen mit der engagierten Zivilgesellschaft zwei integrierte Konzepte für Klimaschutz und Klimaanpassung entwickelt. Sie liefern fundierte Daten, konkrete Maßnahmen und eine langfristige Strategie, um klimatische Herausforderungen wirksam zu bewältigen. Besonders betroffene Gebiete wurden identifiziert, Schlüsselmaßnahmen definiert und Projekte zur Emissionssenkung geplant – unter anderem Entsiegelungen, Regenwassernutzung, Maßnahmen für vulnerable Gruppen und Modellprojekte für klimafreundliche Gebäudesanierungen. Bis Ende 2024 wurden 69 Liegenschaften – etwa Schulen – mit adaptiven Heizkreisregelungen ausgestattet. Das spart jährlich 2.500 Tonnen CO₂ und rund eine Million Euro Heizkosten. Über 30 kommunale Dächer sind bereits mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, zwölf weitere folgen. Klimaschutz wird bei uns konkret und greifbar. Wichtige Fördermittel konnten eingeworben werden: In den letzten zwei Jahren rund zehn Millionen Euro. Doch entscheidend bleibt, welchen finanziellen Rahmen Bund und Land künftig setzen. Der schwarz-rote Berliner Senat vernachlässigt den Klimaschutz: Während der milliardenteure Weiterbau der A100 vorangetrieben wird, werden Klimaschutzmittel massiv gekürzt. Das ist unverantwortlich.

Unser Bezirk lebt von seiner aktiven Zivilgesellschaft

Trotzdem: Friedrichshain-Kreuzberg lebt von seiner aktiven Zivilgesellschaft, von Initiativen, Unternehmen und engagierten Menschen. Das macht Mut. Die Klimakonzepte bieten einen klaren Fahrplan für einen klimaneutralen, klimaresilienten Bezirk. Der Weg ist herausfordernd, aber machbar. Die Balance zwischen begrenzten Ressourcen und großen Ambitionen ist schwierig – doch wir nehmen sie an. Ich danke allen, die sich für ein klimafittes Friedrichshain-Kreuzberg einsetzen. Gemeinsam können wir auf die Stärken unseres Bezirks bauen: Vielfalt, Zusammenhalt und den Mut, Veränderung anzupacken. So wird unser Bezirk noch grüner, gerechter und lebenswerter. In 20 Jahren möchte ich durch naturnahe Räume spazieren, in denen Austausch und Gemeinschaft gelebt werden. Danke an alle, die mit uns an dieser Zukunft arbeiten – für uns und für die Kids. Die Klimakonzepte sind auf der Webseite des Bezirksamts abrufbar. www.berlin.de/klima-xhain

Beitrag der Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann aus dem Xhain-Stachel Nr. 76, 2025/2