Schriftliche Anfrage eingereicht von Olja Koterewa, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Antwort von Abt. Schule, Sport und Facility Management
Ihre Anfrage beantworte ich wie folgt:
1. Welche Gemeinschaftsschulen gibt es derzeit in Friedrichshain-Kreuzberg? (Bitte sortiert nach Schulstandorten und Art der gymnasialen Oberstufe)
die tabellarische Übersicht finden Sie im PDF-Dokument hier
2. Welche Gemeinschaftsschulen verfügen derzeit über keine eigene gymnasiale Oberstufe?
a. Welche dieser Gemeinschaftsschulen wünschen sich eine gymnasiale Oberstufe?
Die Temple-Grandin-Schule (TGS, Gemeinschaftsschule, 02K11) verfügt über keine gymnasiale Oberstufe, strebt diese aber an. Da noch keine baulichen Voraussetzungen für das Einrichten der Sek I geschaffen werden konnten, sind bis zu einem möglichen Übergang der ersten SuS in eine Sek II ein Standort zu finden und baulich sowie ausstattungsmäßig herzurichten und die konzeptionellen Voraussetzungen zur Genehmigungsfähigkeit einer Verbundoberstufe zu schaffen. Die Zügigkeit der 02K11 ist zu gering, als dass eine eigene Sek II genehmigungsfähig wäre.
b. Welche Schritte wurden an Schulen ohne eigene gymnasiale Oberstufe unternommen, um an diesen Standorten eine gymnasiale Oberstufe einzurichten? (Arbeitsgruppen, Gremienbeschlüsse, Gespräche mit umliegenden Schulen, etc.)
c. Wie unterstützt das Bezirksamt entsprechende Entwicklungsprozesse?
d. Wie unterstützen die Schulaufsicht und die Senatsbildungsverwaltung entsprechende Entwicklungsprozesse?
Bisher betrifft dies nur die 02K11 als vierte GemS in unserem Bezirk. Der Schulträger, die Schulaufsicht und die Schulleitungen verstehen sich in dieser Frage als Verantwortungsgemeinschaft. Im Rahmen von Zusammenkünften zu anderen Themen, die die Schule betreffen, werden auch Schulentwicklungsthemen, wie die Anbindung einer gymnasialen Oberstufe mit der Schulleitung, der Schulaufsicht, dem Schul- und Sportamt und dem Stadtrat für Schule, Sport und Facility Management besprochen. In diesen Gesprächen werden gegenseitig Ideen vorgestellt, abgewogen, verworfen oder weiterverfolgt. Zentral in dieser Frage sind die Raumkapazitäten, die einer Verbundoberstufe bzw. einer eigenständigen Oberstufe zur Verfügung zu stellen sind.
Aktuell zeichnet sich für die 02K11 noch keine konkrete Lösung ab. Sobald die Umsetzung einer Idee vorstellbar ist, wird die Senatsbildungsverwaltung (Abt. II und Abt. VI) mit einbezogen, um vorab die Genehmigungsfähigkeit abzuklären.
3. Wie haben sich die Anmeldezahlen und die Auslastung der Gemeinschaftsschulen in Friedrichshain-Kreuzberg in den letzten fünf Schuljahren entwickelt? (Bitte nach Schuljahr und Schulstandort aufschlüsseln und Soll-/Ist-Kapazitäten angeben)
die tabellarische Übersicht finden Sie im PDF-Dokument hier
4. Welche Gemeinschaftsschulstandorte im Bezirk arbeiten nach Schulstufen räumlich in getrennten Gebäuden? Inwiefern gibt es Bestrebungen die räumliche Trennung aufzuheben und auf welchen Wegen und zu wann kann dies umgesetzt werden?
Folgende Gemeinschaftsschule arbeiten in getrennten Gebäuden: die tabellarische Übersicht finden Sie im PDF-Dokument hier
Eine Aufhebung der räumlichen Trennung ist nicht möglich und aktuell nicht geplant.
5. Wie viele Neugründungen von Gemeinschaftsschulen sind in Friedrichshain-Kreuzberg zukünftig geplant?
a. Für wie viele davon kann auf Gebäude im Bestand zurückgegriffen werden?
b. Für wie viele davon sind Schulneubauten vorgesehen – wie viele davon nach Compartment-Standard?
c. Wie ist der jeweilige Planungs- und Umsetzungsstand und für wann ist die Inbetriebnahme vorgesehen? Sind bereits Mittel in der Investitionsplanung des Landes Berlin dafür eingestellt?
d. Wie viele Schulplätze sollen auf diesem Weg jeweils geschaffen werden? (Bitte standortscharf ausweisen und bei den Schulplätzen zwischen Plätzen in der Primarstufe, Sekundarstufe I und II unterscheiden!)
Vgl. Antworten unter Fragen 9 bis 11.
6. Welche Schulgemeinschaften im Bezirk haben den Wunsch nach einem Ausbau zu einem Gemeinschaftsschulstandort angemeldet? Welche davon konnten mit diesem Wunsch bisher nicht berücksichtigt werden?
Mit der Georg-Weerth-Schule (02K07) ist dieses Thema vorbesprochen worden. Grundsätzlich ist es aus der Sicht der Schulleitung vorstellbar, Gemeinschaftsschule zu werden. Hierfür müsste aber ein Primartstufenteil gefunden werden, der ebenfalls bereit ist, in die Gemeinschaftsschulplanung einzutreten. Die Otto-Wels-GS (02G24) hat bereits vor mehreren Jahren einen Beschluss der Schulkonferenz gefasst mit dem Ziel, sich als Gemeinschaftsschule zu entwickeln. Weitere Standorte haben in der Vergangenheit Absichtserklärungen abgegeben. Vgl. auch Antworten unter Fragen 9 bis 11.
7. Aus welchen Gründen konnte dem Wunsch der Schulgemeinschaften aus der vorherigen Frage nicht nachgekommen werden?
8. Falls im Bezirk aktuell keine Neugründungen von Gemeinschaftsschulen in Planung sind, warum nicht?
Vgl. Antworten unter Fragen 9 bis 11.
9. Welche Herausforderungen sieht das Bezirksamt beim Ausbau von Gemeinschaftsschulen im Bezirk?
10. Welche Rolle spielt der Ausbau von Gemeinschaftsschulen in der bezirklichen Schulentwicklungsplanung?
11. Welche Unterstützung erhalten bestehende Gemeinschaftsschulen im Bezirk durch das Bezirksamt?
Für die SEK I gibt es aus schulorganisatorischer Sicht keine Herausforderungen. Bei Grundstufen besteht die Schwierigkeit, dass die Einschulungsbereiche kleiner zugeschnitten werden müssen, da ein Drittel der Schulplätze an Kinder aus anderen Einschulungsbereichen vergeben bzw. freigehalten werden müssen. Somit kann die Versorgung der Kinder des eigenen Bezirkes gefährdet sein.
Potentiale bezüglich der Schaffung von baulichen Voraussetzungen zur Bildung von Gemeinschaftsschulen bestehen theoretisch noch mit der Umsetzung der bestätigten Bedarfsprogramme der Blumen-Grundschule, Otto-Wels-Grundschule und Kurt-Schumacher-Grundschule. Ein Neubau an der Blumen-Grundschule ist sehr unwahrscheinlich geworden. Eine Aufnahme ins Investitionsprogramm ist von Seiten des Landes nicht erfolgt. Die Schulgemeinschaft der Kurt-Schumacher-Grundschule hat in den letzten Jahren mehrfach betont, dass ihre Priorität in der Sanierung des Haupthauses liegt und sie sich langfristig weiterhin als Grundschule entwickeln und nicht zur Gemeinschaftsschule umwandeln will. Die Otto-Wels-Grundschule hat seit Jahren einen Schulkonferenzbeschluss, der ausdrücklich das Interesse bekundet, als Gemeinschaftsschule aufzuwachsen. Das Bezirksamt bringt dieses Interesse auf der Landesebene immer wieder vor. Voraussetzung für die Umwandlung der Otto-WelsGrundschule zur Gemeinschaftsschule ist ein Neubau / Erweiterungsbau für die Sek I / Sek II. Mit einer Entscheidung über einen Neubau ist auf der Landesebene voraussichtlich in 2026 zu rechnen.
Weiterhin hat die Georg-Weerth-Schule ihr Interesse bekundet, mit einer der umliegenden Grundschulen zu einer Gemeinschaftsschule zu fusionieren. Die Ludwig-Hoffmann-Grundschule hat diese Perspektive im Hinblick einer möglichen Fusion mit der Georg-Weerth-Schule für geeignet erklärt unter der Voraussetzung, dass sie nicht umziehen muss. Aktuell wurde zum SJ 25/26 die TempleGrandin-Schule zur Gemeinschaftsschule umgewandelt, allerdings kann sie aufgrund der bisher nicht am Standort vorhandenen Kapazität noch nicht mit dem Aufwachsen der Sek I beginnen. Interessenbekundungen bezüglich einer möglichen Fusion zwischen Grund- und weiterführenden Schulen liegen
darüber hinaus nicht vor. Von der Lemgo-Grundschule gibt es eine klar ablehnende Position ggü. einer möglichen Fusion mit der Albrecht-von-Graefe-Schule zur Gemeinschaftsschule, gleiches gilt für die Aziz-Nesin-Grundschule, die die gute Kooperation mit der Carl-von-OssietzkyGemeinschaftsschule fortsetzen, jedoch nicht fusionieren will. Von Seiten der Nürtingen-Grundschule wurde eine mögliche Perspektive einer Fusion mit der Refik-Veseli-Schule bisher nicht als vordringliches Vorhaben der Schulentwicklung betrachtet, dies gilt ebenso für die Refik-Veseli-Schule. Langfristig können sich beide Seiten den Einstieg in einen solchen Prozess aber vorstellen. Die Möglichkeit der Fusion der Reinhardswald- Grundschule mit der Ferdinand-Freiligrath-Schule zur Gemeinschaftsschule wurde innerhalb der Reinhardswald-Grundschule kurz thematisiert, allerdings ohne Verabredung auf weitere Schritte. Das Bezirksamt ist im Gespräch mit der Justus-von-Liebig- und der Pettenkofer-Grundschule mit dem Ziel, dass eine der beiden Schulen den derzeitigen Standort des Heinrich-Hertz-Gymnasiums übernimmt und als Gemeinschaftsschule aufwächst. Die Justus-von-LiebigGrundschule kann sich diese Perspektive eher nicht vorstellen. Von Seiten der PettenkoferGrundschule steht eine Positionierung noch aus. Landesseitig wird die Entstehung neuer Gemeinschaftsschulen nicht behindert, jedoch auch nicht in Form zusätzlicher Funktionsstellen und weiterer Unterstützung explizit gefördert. Zudem droht die Gefahr, im Falle von Schulfusionen bisher erhaltene zusätzliche Ressourcen zu verlieren, auf die bisher beide potenziellen Fusionspartner rechnen konnten. Viele Schulen erkennen daher für sich keinen deutlichen Mehrwert in der Umwandlung zu Gemeinschaftsschulen angesichts der damit verbundenen großen konzeptionellen, pädagogischen und organisatorischen zusätzlichen Herausforderungen und der ohnehin vorhandenen großen Belastungen.
Übergeordnete politische Ziele im Aufgabenbereich des Schulträgers und damit auch zentrale Ziele der Schulentwicklungsplanung in Friedrichshain-Kreuzberg sind seit Ende 2016:
– die Schaffung eines ausgewogenen Schulplatzangebotes (insg., nicht auf die Einzelschulen
bezogen, im Sinne der Deckungsgleichheit von Angebot und Nachfrage),
– die Ermöglichung längeren gemeinsamen Lernens ohne Schulwechsel nach der Primarstufe.
Die Schaffung weiterer Gemeinschaftsschulen dient primär dieser Zielstellung. Langfristig soll die Zahl der GemS die Zahl der ISS übersteigen.
– die bauliche und ausstattungsmäßige Sanierung und Modernisierung der Schulen zur Schaffung von guten äußeren Rahmenbedingungen für eine gelingende Schulentwicklung (inkl. der Schaffung der äußeren Voraussetzungen für mehr inklusive Beschulung),
– die Einrichtung von gymnasialen Oberstufen (im Verbund) an allen weiterführenden öffentlichen Schulen des Bezirks, damit der Weg zum Abitur (oder zum schulischen Teil der allgemeinen Fachhochschulreife) ohne Schulwechsel an allen Schulen möglich ist.
Das Bezirksamt unterstützt allseitig die Bildung von Gemeinschaftsschulen. Strategisch verfolgt der Bezirk den Ausbau des bezirklichen Gemeinschaftsschulnetzes, denn dieses bietet die Möglichkeit, auf Bedarfslagen variabler zu reagieren als es an Sekundarschulen oder Grundschulen möglich ist, die solitär organisiert sind. Steigt z.B. der Bedarf im Sekundarstufenbereich und sinkt im Primarbereich oder umgekehrt, kann innerhalb der Gemeinschaftsschulen die Zügigkeit in den jeweiligen Stufen entsprechend angepasst werden („atmende Schule“). Das Bezirksamt handelt allerdings in dieser Frage nicht gegen den Willen von Schulgemeinschaften. Über mögliche Optionen zur Gemeinschaftsschulbildung wird regelmäßig mit Schulleitungen gesprochen. Sofern die Schulgemeinschaften eine Willensbekundung zur Entwicklung in eine Gemeinschaftsschule äußern, führt der Bezirk diese Planungen weiter. In den letzten Jahren sind mit der Umwandlung der Emanuel-Lasker-Schule zur Gemeinschaftsschule und mit der Erweiterung der ehemaligen Lina-Morgenstern-Schule (jetzt Bergmannkiez-Gemeinschaftsschule) um eine Grund- und eine gymnasiale Oberstufe durch Fusion mit der ehemaligen Lenau-Grundschule zwei neue Gemeinschaftsschulen mit einem durchgängigen
Bildungsangebot von Klasse 1 bis 13 entstanden. Die Temple-Grandin-Schule ist zur Gemeinschaftsschule umgewandelt worden. Der Aufbau der Sek I und anschließend die Schaffung einer Sek II gehören zu den prioritären Vorhaben der Schulentwicklungsplanung. Ziel des Bezirksamtes ist es, dass Friedrichshain-Kreuzberg die meisten Gemeinschaftsschulen von Klasse 1-13 im Vergleich aller Bezirke im Bereich der öffentlichen allgemeinbildenden Schulen hat und dass die Zahl der Gemeinschaftsschulen die Zahl der ISS übersteigt. Dazu ist eine kontinuierliche Anstrengung über das laufende Jahrzehnt hinaus notwendig, eine bessere landespolitische Unterstützung und Flankierung jedoch wünschenswert. 4 von insgesamt 11 weiterführenden Schulen (ohne Gymnasien) sind bereits in unserem Bezirk Gemeinschaftsschulen. Damit liegt der Bezirk im überbezirklichen Vergleich in der Spitzengruppe.
Mit freundlichen Grüßen
Andy Hehmke
Bezirksstadtrat