Resolution eingebracht von Jutta Schmidt-Stanojevic, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur BVV am 25. Februar 2026
Die Bezirksverordnetenversammlung beschließt:
Die Bezirksverordnetenversammlung schließt sich dem Protest aus Stadtgesellschaft, Wissenschaft und Politik bezüglich des drohenden Abrisses des SEZ an und fordert, dass der Abriss gestoppt wird bis eine Anhörung im zuständigen Fachausschuss auf Abgeordnetenhausebene erfolgt und die parlamentarische Debatte abgeschlossen ist.
Die BVV Friedrichshain-Kreuzberg spricht sich entschieden gegen den von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM ab 2. März geplanten Abriss des SEZ aus und bekräftigt ihre bisherigen Beschlüsse, die das Gebäude als europaweit einzigartiges Denkmal der Baukultur würdigen, den teilweisen Erhalt des baukulturell bedeutenden Komplexes fordern und das SEZ-Areal als Standort für Sport- und Erholungsnutzung sichern wollen.
Nachdem das SEZ durch Gerichtsurteile endlich wieder in öffentliches Eigentum gelangt ist, wollen wir auf dem Grundstück nicht nur einen Schulneubau realisieren und einen Beitrag zum Bau bezahlbarer Wohnungen in Friedrichshain-Kreuzberg erreichen, sondern gleichzeitig auch ein Ensemble von baugeschichtlicher Bedeutung erhalten und so die Machbarkeit einer sozial-ökologischen Bauwende demonstrieren, die auf Umbau statt Abriss setzt.
Es braucht eine neue Machbarkeitsstudie, die den Erhalt des SEZ ernsthaft und ergebnisoffen prüft, anders als die bisher von der WBM vorgelegte Machbarkeitsstudie, die den Fortbestand des SEZ und mögliche Kombinationslösungen mit Wohnungsbau von vornherein ausgeschlossen hatte. Denn verschiedene Entwürfe wie zuletzt vom Bündnis „SEZ-Quartier neu denken“ zeigen, dass solche Kombinationen grundsätzlich möglich sind. Bevor eine solche Machbarkeitsstudie vorliegt, dürfen keine weiteren Fakten geschaffen werden.
Die Bezirksverordnetenversammlung appelliert deswegen an das Abgeordnetenhaus und den Berliner Senat, auf die Forderung der vielen engagierten Menschen einzugehen, den Abriss zu stoppen und eine transparente Debatte über die Zukunft des SEZ und die beste städtebauliche Lösung zu ermöglichen, bevor weitere Fakten geschaffen werden.
Begründung:
Das 1981 eröffnete SEZ ist mit seinen baukonstruktiv anspruchsvoll gestalteten Raumabfolgen und seiner farbenfrohen Erscheinung ein europaweit beispielhaftes Zeugnis für großzügige städtische Gebäudetypologien, die aufgrund der Vielseitigkeit, Breite und Alltagstauglichkeit ihres öffentlichen Nutzungsangebotes quartiersübergreifende Bedeutung erlangt haben. Da eine solche Kapazität nach wie vor vorhanden und der Bedarf nach niedrigschwellig zugänglichen kulturellen und sportlichen Nutzungen nach wie vor groß ist, wäre ein Komplettabriss aus städtebaulichen, baukulturellen und sozialen Gründen nicht zu verantworten. Das Gelände stellt eine der letzten großen Flächen für soziale Infrastruktur im Kiez dar und ist durch seinen jahrzehntelangen Gebrauch positiv im Bewusstsein der Bevölkerung verankert.
Besonders in Zeiten der Klimakrise ist ein Vorgehen, das den gesamten Baubestand ohne eine einzige ernsthafte Prüfung von Erhaltungsoptionen zur Disposition stellt, nicht vertretbar. Konzepte der bestandserhaltenden Sanierung, deren Machbarkeit sowohl in Beiträgen aus dem universitären Umfeld als auch in einer Einreichung zum geladenen städtebaulichen Wettbewerb der WBM angedeutet wurde, dürfen nicht zugunsten eines CO₂-intensiven Neubaus ausgeschlossen werden. Der Standort bietet mit seiner zentralen Lage, der hervorragenden Verkehrsanbindung und der Nähe zum Volkspark Friedrichshain ein hervorragendes Potenzial für eine zeitgemäße Sport- und Erholungsnutzung.